
NKU-Sprechstunde
17. September 8:00 Uhr - 8:45 Uhr
NKU-SPRECHSTUNDE
Die Fragestunde des Netzwerks Klimaanpassung & Unternehmen.NRW
„Rückblick: Was kostet uns der Hitzesommer 2026 und wie gehen Unternehmen mit der Hitze um?“
17. September 2026 um 08:00 Uhr (30 – 45 Minuten, online)
Ort: Online
Sehr geehrte Damen und Herren,
Wir freuen uns, Ihnen von unserer 42. NKU-Sprechstunde zum Thema “Rückblick Sommer 2026 – Was kostet uns der Hitzesommer 2026” am 17. September zu berichten.
Um den Hitzesommer 2026 Revue passieren zu lassen, haben wir mit Herrn Lukas Sander von der Prognos AG und Frau Laura Röntgen von Rebel Deutschland gesprochen, die beide auch im Team des Netzwerks Klimaanpassung & Unternehmen.NRW sind. Herr Sander hat diesen Frühling für das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) eine Studie zu den gesamtwirtschaftlichen ökonomischen Folgen von Hitze für Deutschland durchgeführt. Frau Röntgen hat zur Betroffenheit aus dem NKU-Netzwerk und aus Projekten mit dem Privatsektor berichtet und so die Perspektive der Unternehmen im Umgang mit den Hitzewellen dieses Sommers mit in die Sprechstunde eingebracht.
Was kostet Hitze die deutsche Wirtschaft? Methodik und Ergebnisse der Studie
Die vorgestellte Studie betrachtet drei zentrale Wirkungskanäle von Hitze auf die Arbeitswelt: höhere Krankenstände, mehr Arbeitsunfälle und eine verringerte Produktivität. Grundlage sind keine eigenen Primärerhebungen, sondern bestehende wissenschaftliche Untersuchungen zu diesen Zusammenhängen. Die darin ermittelten Effekte wurden anhand der Lohnkosten und Beschäftigtenzahlen verschiedener Branchen in wirtschaftliche Kosten übersetzt und auf Deutschland hochgerechnet. Den herangezogenen Erkenntnissen zufolge steigen Krankmeldungen im unmittelbaren Zusammenhang mit Hitze um 3,5 Prozent, bei längeren Hitzewellen um bis zu 11 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit eines Arbeitsunfalls ist an einem Hitzetag um 7,5 Prozent erhöht. Hinzu kommen Produktivitätsverluste, weil Beschäftigte bei hohen Temperaturen weniger effektiv arbeiten können. Für die Hitzewelle im Juni 2026 bezifferte Herr Sander unabhängig von der BMAS-Studie die daraus resultierenden wirtschaftlichen Kosten auf rund 6,3 Milliarden Euro in Deutschland, davon mehr als eine Milliarde Euro in Nordrhein-Westfalen. Hohe Kosten entfallen insbesondere auf die Industrie; betroffen sind aber auch das Baugewerbe, der Pflege- und Gesundheitssektor sowie die Landwirtschaft. Wichtig für die Einordnung: Die Berechnung erfasst die arbeitsbezogenen Auswirkungen von Hitze. Weitere Verluste durch Maschinenausfälle, Qualitätsprobleme in der Produktion oder Störungen der Lieferketten sind darin noch nicht berücksichtigt. Die Ergebnisse sollen vor allem die Größenordnung der wirtschaftlichen Belastung verdeutlichen und sind nicht als exakte Schadensbilanz zu verstehen.
Die Studie ist hier zu finden: https://www.prognos.com/sites/default/files/2026-04/260317_Klimabedingte_Risiken_fuer_die_Arbeitswelt_Report_final.pdf
Die Hitzekosten der Hitzewelle im Juni sind hier zu finden (leider hinter einer Paywall): Hitzewelle: Hitze wird zum Milliardenrisiko für den Standort Deutschland
Wie haben Unternehmen die Hitze erlebt und darauf reagiert?
Laura Röntgen berichtete aus einer Umfrage unter 30 Unternehmen sowie ergänzenden Gesprächen im NKU-Netzwerk und mit weiteren Unternehmen. Alle befragten Unternehmen waren von Hitze betroffen, allerdings unterschieden sich die konkreten Auswirkungen deutlich. Zum einen waren die Mitarbeitenden durch die Hitze betroffen, sowohl Mitarbeitende in den Büro- und Produktionsgebäuden als auch Mitarbeitende im Außenbereich. Viele Unternehmen setzten deshalb diesen Sommer kurzfristig auf organisatorische Maßnahmen, etwa flexiblere Arbeitszeiten und die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten.
Neben einer geringeren Leistungsfähigkeit der Beschäftigten und erhöhten Krankentagen wurden allerdings auch technische Probleme genannt, die ebenso zu wirtschaftlichen Verlusten für den Betrieb führen können. Auch Unternehmen, die bereits über Klimaanlagen verfügen, hatten teils Schwierigkeiten, da diese bei großer Hitze ausfallen können. Gerade in Messlaboren oder Produktionsbereichen, die auf bestimmte Temperaturbedingungen angewiesen sind, kann dies dazu führen, dass Arbeiten nicht mehr durchgeführt werden können. Das Hygiene Institut des Ruhrgebiets berichtete Frau Röntgen allerdings auch, dass sie deutlich die positiven Auswirkungen ihrer Hitzeschutzmaßnahmen der letzten Jahre spüren konnten. Das Bürogebäude, das bereits aus den letzten Jahren mit einer begrünten Fassade ausgestattet war, bot den Mitarbeitenden eine deutlich angenehmere Temperatur. Auch andere Unternehmen, die in den vergangenen Jahren schon langfristigere Maßnahmen gegen Hitze etabliert hatten, erzählten, dass sie davon diesen Sommer profitieren konnten.
Welche Reaktionen waren in Politik und Wirtschaft zu beobachten und wird sich nun etwas ändern?
Sowohl Frau Röntgen als auch Herr Sander haben beide berichtet, dass sie ein Umdenken sowohl in den Unternehmen als auch in der Politik beobachten konnten. Zum einen haben viele der Unternehmen hautnah gespürt, wir sehr Hitze die Mitarbeitenden aber auch die Produktion einschränken kann und dass sich daraus auch betriebswirtschaftliche Kosten ergeben können. Zum anderen hat das Thema auch in den Medien und in der Politik einen hohen Stellenwert eingenommen. NRW hat mit den Förderprogramm Klimaanpassung.Unternehmen.NRW bereits eine Unterstützung für Klimaanpassungsmaßnahmen für Unternehmen geschaffen. Gleichzeitig gilt es jetzt, mit den Erfahrungen dieses Sommers weiterzuarbeiten und sich, sowohl im Unternehmen als auch deutschlandweit, auf den nächsten Sommer vorzubereiten und Klimaresilienz weiter aufzubauen.
Hier finden Sie weitere Links zu mehr Informationen zu dem Thema:
- Studie: “Klimabedingte Risiken für die Arbeitswelt. Ökonomische Verluste und die strategische Rolle des Arbeitsschutzes bei der Klimaanpassung”, beauftragt durch BMAS und durchgeführt von der Prognos AG: https://www.prognos.com/sites/default/files/2026-04/260317_Klimabedingte_Risiken_fuer_die_Arbeitswelt_Report_final.pdf
- Förderung Klimaanpassung.Unternehmen.NRW: https://www.in.nrw/massnahmen/klimaanpassung-unternehmen-nrw
- Hitzeschutzplan mit Checklisten und Vorlagen und Listen mit Maßnahmen (beauftragt durch das BMAS unter Leitung der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG) mit der Durchführung des Projekts „ARBEIT: SICHER + GESUND im Klimawandel“ (ASUG-Klima)): https://planetary-health-academy.de/bildungsmaterialien/betrieblicher-hitzeschutz/
- NKU-Broschüre „Wirtschaftliche Bewertung von Anpassungsmaßnahmen für Unternehmen“: https://klimaanpassung-unternehmen.nrw/wp-content/uploads/2026/05/NKU_BroschCaseStudiesFallstudien-07-RZ.pdf
- Die Follow-Ups und Rückblicke der letzten NKU-Sprechstunden: https://klimaanpassung-unternehmen.nrw/nku-sprechstunde
- Überblick über die arbeitsschutzrechtlichen Regelungen des betrieblichen Hitze- und UV-Schutzes in Deutschland der ASUG: https://planetary-health-academy.de/wp-content/uploads/2026/03/Factsheet_Rechtl.-Grundlagen-Empfehlungen_ASUG.pdf
Laura Röntgen und Lukas Sander können bei Rückfragen gerne direkt kontaktiert werden:
Wir danken unseren Referent:innen sowie allen Teilnehmenden herzlich für die Einblicke, die Erfahrungsberichte und die spannenden Fragen.
Künftige Termine der NKU-Sprechstunde:
Wir freuen uns, Sie im Oktober zu unserer nächsten Sprechstunde zu begrüßen!
In unserem Veranstaltungskalender finden Sie Informationen und Anmeldemöglichkeiten zu allen Veranstaltungen des Netzwerks!


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