
NKU-Sprechstunde
8. Oktober 8:00 Uhr - 8:45 Uhr
NKU-SPRECHSTUNDE
Die Fragestunde des Netzwerks Klimaanpassung & Unternehmen.NRW
„Katastrophenvorsorge für Unternehmen: Gut vorbereitet auf den Ernstfall“
08. Oktober 2026 um 08:00 Uhr (30 – 45 Minuten, online)
Ort: Online
Sehr geehrte Damen und Herren,
diesen Monat hatten wir die Freude, mit Frau Kristina Pape aus dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) zum Thema “Katastrophenvorsorge für Unternehmen” zu sprechen.
Frau Pape ist Referentin im Bereich des Schutzes Kritischer Infrastrukturen (KRITIS). In Zusammenarbeit mit der Handelskammer Hamburg hat das BBK auch einen Krisenvorsorgeplan für Unternehmen entwickelt, den Frau Pape dem NKU in der Sprechstunde vorstellt hat.
Kritische Infrastrukturen, Katastrophenvorsorge und Klimaresilienz
Der Schutz Kritischer Infrastrukturen ist ein zentraler Baustein der zivilen Sicherheitsvorsorge und hat enge Schnittstellen zur zivilen Verteidigung. Das BBK gehört zum Geschäftsbereich des Bundesministeriums des Innern und für Heimat und unterstützt unter anderem dabei, Bevölkerung, Staat und Wirtschaft auf Krisen- und Katastrophenlagen vorzubereiten.
Unter Kritische Infrastrukturen (KRITIS) zählt das BBK solche Unternehmen, Organisationen und Einrichtungen, die in Deutschland die Bevölkerung mit lebensnotwendigen Gütern und Dienstleistungen versorgt. Darunter fallen beispielsweise Unternehmen der Energie- und Wasserversorgung, genauso auch wie der Ernährungs- oder Gesundheitsversorgung.
In der Sprechstunde wurde deutlich, dass Katastrophenvorsorge und Klimaanpassung viele gemeinsame Grundlagen haben. Zur Steigerung der Resilienz in Deutschland setzt das BBK auf den All-Gefahren-Ansatz: Dies bedeutet, dass alle Gefahrenarten im Rahmen des Risikomanagements berücksichtigt werden, also sowohl Klimarisiken wie Dürreperioden oder Hochwasserereignisse, aber auch Terrorismus, Kriege oder Unfälle. Frau Pape brachte diesen Ansatz sinngemäß auf den Punkt: Erst einmal sei nicht entscheidend, warum der Strom ausfällt. Entscheidend sei, dass ein Stromausfall möglichst keine gravierenden Folgewirkungen auslöst und die Versorgung der Bevölkerung aufrechterhalten werden kann. Resilienz gegenüber einem Stromausfall, einer Lieferunterbrechung oder dem Ausfall kritischer Vorleistungen hilft Unternehmen somit unabhängig davon, ob die Ursache in einem Extremwetterereignis, einem technischen Defekt oder einem gezielten Angriff liegt.
Rolle der Unternehmen
Unternehmen spielen in der Zivilen Verteidigung eine wichtige Rolle. Im Ernstfall hilft jedes Unternehmen, was für eine Krisensituation vorgesorgt hat und in einer Krise weiterhin handlungsfähig bleibt. So sind natürlich Unternehmen der KRITIS essentiell, um auch in einer Krise die Versorgung der Bevölkerung aufrecht zu halten, jedoch hilft auch jeder Betrieb in einer Krise, der auch weiterhin seine Mitarbeitenden schützen und Materialien und Ressourcen zur Verfügung stellen kann. Der Schutz der KRITIS und anderer Unternehmen ist dabei auch für die militärische Verteidigung wichtig. Wenn die eigene Bevölkerung nicht resilient aufgestellt ist und in einer Krise bedroht und eingeschränkt ist, fehlen auch der militärischen Verteidigung Personal, Ressourcen und Kapazitäten.
In diesem Zusammenhang wurde auch deutlich, dass Resilienz nicht allein auf dem Papier entsteht. Pläne, Checklisten und Zuständigkeiten sind wichtig, müssen aber praktisch überprüft werden. Übungen helfen dabei, Schwachstellen sichtbar zu machen, etwa wenn bei einem Stromausfall Türen, Tore, IT-Systeme oder Kommunikationswege nicht mehr wie vorgesehen funktionieren.
Vorsorgeplan des BBKs und der HK Hamburg
Der entwickelte Vorsorgeplan soll Unternehmen – insbesondere kleinere und mittlere Unternehmen – dabei unterstützen, ihre Resilienz zu erhöhen. Der Plan soll Unternehmen niedrigschwellig helfen, ihre eigene Rolle in Krisensituationen besser einzuordnen, gesetzliche Anforderungen und Vorsorgethemen zu verstehen und konkrete Maßnahmen für den eigenen Betrieb abzuleiten. Ein zentrales Element sind Checklisten, mit denen Unternehmen ihre Verwundbarkeiten, Abhängigkeiten und Handlungsmöglichkeiten systematisch prüfen können.
Für den praktischen Mehrwert des Krisenvorsorgeplans benötigt es Multiplikatoren. Das bedeutet, dass Industrie- und Handelskammern (IHK), Handwerkskammern sowie Fachverbände den Plan aufgreifen, anpassen und für ihre jeweiligen Zielgruppen weiterverwenden können und sollen, um Unternehmen in ganz Deutschland besser zu erreichen und vorzubereiten.
Weitere Schritte für Unternehmen
Wenn Sie Fragen zum Thema Katastrophenvorsorge allgemein und auch konkret zu möglichen nächsten Schritten zu mehr Resilienz für Ihr Unternehmen haben, können Sie den Vorsorgeplan auf der Seite der HK Hamburg finden (hier: https://www.handelskammer-hamburg.de/blueprint/servlet/resource/blob/6838376/4245857f369365cfd2df48223dd020a0/2512-hk-strategiepapier-krisenvorsorgeplan-data.pdf).
Bei konkreteren Fragen können Sie sich an ihre regionalen IHKs oder HKs wenden, auch der Zentralverband des Deutschen Handwerks kann eine passende Anlaufstelle sein.
Bei allgemeineren Fragen zum Thema KRITIS können Sie Ihr Anliegen auch an das Referat von Frau Pape stellen (NII1@bbk.bund.de).
Wir bedanke uns sehr herzlich bei Frau Pape für die informative Sprechstunde und freuen uns Sie auch in unserer nächsten Sprechstunde im November zum Thema „Klimaresiliente Lieferketten“ begrüßen zu dürfen.


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